Wie wäre es mit Wadokai-Karate? Einer der ältesten Dresdner Karatevereine kombiniert Tradition mit vielseitigem Training und gemeinsamen Unternehmungen.
Eine Turnhalle in Dresden – Blasewitz. Ein Dutzend Kinder in weißen Anzügen rennen durcheinander, hin und her, umeinander drum rum. Die Aufgabe lautet, die Wäscheklammern am Revers des Gi der anderen weg zu grapschen. Wer zum Schluss noch eine hat, ist Sieger.
„Hantai!“ ruft Trainer Jens laut in die Halle. Sofort treten die Mädchen und Jungen, geordnet nach Gürtelfarben, in einer Linie an. Ganz links finden sich Kinder mit grünen, ganz rechts die mit weißen Gürteln. Dōjō – Etikette nennt man das. Dienstags beim Kindertraining des Karate Wadokai Dresden e.V., einem der ältesten Karatevereine der Stadt, dessen Anfänge fast illegal waren, damals, noch in der DDR.

André Jätzschmann, 5. Dan Wadokai, erinnert sich: „Nach jahrelangem geheimem Training, Karate war in der DDR verboten, trat eine Gruppe nach dem Fall der Mauer aus dem Verborgenen ins Licht und gab sich Substanz, Struktur und einen Namen: Wado Kai Dresden e.V. Man trainierte Wado Ryu Karate, eine Verschmelzung des Okinawa-Karate von Funakoshi und des Shindo Yoshin Ryu von Matsuoka. Auch hier: Tradition. Aus diesem Verein heraus wurden viele weitere gegründet, die sich über ganz Sachsen verbreiteten.“
André ist Mitglied im Karatesportverein HATO Dresden e.V.
Der große Kampfsport-Boom der 90er ist vorbei. Jeden Monat ein Trainingslager mit weit über 100 Teilnehmern und wechselnden Trainern meist aus Berlin oder Hamburg. Einmal im Jahr kam auch Teruo Kono, 8. Dan, Hanshi, nach Dresden. Kono Sensei brachte einst Wado-Ryu, die Schule des friedlichen Weges, mit nach Deutschland und gründete mit anderen Wadokai Europa, die Gesellschaft des friedlichen Weges, der Harmonie.
Heute ist der Verein ein Breitensportverein, mit ca. 60 Mitgliedern zwischen 8 und 65 Jahren. Trainer Jens mit dem braunen Gürtel hat erst vor Kurzem seine C-Trainer-Ausbildung abgeschlossen, gemeinsam mit seiner Kollegin Britt organisiert und leitet er das Training. Beide gehen schon mal mit der Gruppe und Eltern oder Großeltern wandern und Eis essen.

2400 Vereine trainieren in 22 Stilrichtungen im Deutschen Karateverband (DKV). In Sachsen gibt es sechs Wadokai – Vereine, davon drei in Dresden, freundschaftlich miteinander verbunden.
Noch einmal André Jätzschmann: „Über viele Jahre trainierte und schwitzte man gemeinsam, feierte Erfolge und überwand Niederlagen. Viele Karatemeister gingen aus dieser Zeit hervor und es formte sich eine Einheit, deren Verbindungen bis heute fortbestehen. Vieles hat sich seitdem geändert, aber eines ist geblieben: die Leidenschaft, Karate zu betreiben und die Tradition fortzuschreiben.“
„Zenkutsu–dashi, hidari. Itch!“ kommandiert Trainerin Britt. Die Kinder stehen mit einem Kampfschrei wie eine Eins. Das linke Bein ist vorn, die linke Faust auch, die zeigt auf die Körpermitte des angenommenen gleichgroßen Gegners. Das rechte Bein ist gestreckt, die Füße schulterbreit auseinander. – „Nii! – San!“: Grundschule, Kihon genannt. Das fordert und fördert Disziplin und Konzentration – bis zum nächsten (Kampf)Spiel.

Karate heißt so viel wie „China-Hand“, oder „leere Hand“. Großmeister Hironori Otsuka, Mejin, gründete 1939 die Stilrichtung Wado-Ryu. In Roland Habersetzers Enzyklopädie der Kampfkünste des fernen Ostens steht, dass Otsuka diese Stilrichtung als eine Synthese aus japanischem Shinto Yoshin-ryu Jujutsu und okinawanischem Karate lehrte. Letztlich besteht das System aus Schlägen, Stößen und Tritten, Gelenkhebeln und Würfen, und Kata , eine festgelegte Abfolge von Techniken, die gegen einen oder mehrere gedachte Gegner ausgeführt wird. Man kann sie sich vereinfacht als eine Art „Schattenkampf“ vorstellen. Hinzu kommen eine ganze Reihe von Partnerübungen, einschließlich am Boden und später auch zur Abwehr von Messern. Mit jeder Lernstufe werden es mehr, auch die Meistergrade üben weiter die Grundtechniken.

Dr. Elke von Oehsen, 9. Dan, ist die Wadokai – Stilrichtungsreferentin im DKV. Sie trainierte lange bei Teruo Kono und war bei Meisterschaften erfolgreich. Neben dieser technischen Vielfalt , versteht von Oehsen das Wadokai – Karate als Gemeinschaftsaufgabe, in die jeder Karateka die eigene Persönlichkeit, das eigene Können einbringt und alle an der Fortentwicklung aller beteiligt sind. Genau das führte die Vereine bundesweit zusammen und das ist auch bei den Dresdner Vereinen so.
„Karate fördert Fitness und Gesundheit, ist Meditation in der Bewegung, hilft beim Stressabbau, erhöht die Resilienz, fordert ständige Veränderungen und das Einlassen auf Neues, es gibt intensive Kontakte mit unterschiedlichsten interessanten Menschen, es dient der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, stärkt das Selbstbewusstsein, „provoziert“ die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Gefühlen wie Furcht, Angst, Wut, Hochgefühl, Freude, Ausgelassenheit, absolute innere Ruhe usw.“
(Dr. Elke von Oehsen)
Auch Jens und Britt sehen die Selbstverteidigung als einen Teil des Trainingszieles, aber Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, die Fähigkeit, laut „Nein!“ oder „STOPP!“ zu sagen gehört dazu und wer lange genug dabei bleibt, der wird auch körperliche und athletische Fertigkeiten erlangen, die das unterstreichen. Neben dem eigenen Training werden sie unterstützt von den Schwarzgurttrainern des Vereins. Trainer Torsten, 3. Dan, kommt schon mal mit seiner Lebensgefährtin Yvonne (Blaugurt) und gleich vier Kindern. Familiär? Aber klar!

Alles was Sie für einen Schnupperkurs brauchen, finden Sie unter www.wadokai-Dresden.de.
©️ UR (13.10.2026)