… der Kampfkünste des Fernen Ostens

- Gabriele und Roland Habersetzer
- aus dem Französischen von Frank Elstner
- 1215 Seiten und 1000 Abbildungen
- 1. Auflage 11/2019
- ISBN: 978-3-957840-25-5
- Palisander Verlag
Wuchtig liegt die Neuausgabe des im Palisander-Verlag herausgegebenen Kompendiums über die Kampfkünste des Fernen Ostens in den Händen – denn beide Hände benötigt der Leser schon, um das auf über 1.200 Seiten und annähernd 10.000 Schlagworten zentrierte Wissen mit aller Ehrfurcht handzuhaben.
Hier liegt eine Fleißarbeit von Roland Habersetzer vor. Dieser ist ein unbestrittener Fachmann in den Kampfkünsten und konnte durch sein jahrzehntelanges Studium nicht nur ein immenses Fachwissen ansammeln, sondern dies in Fachpublikationen weitergeben.
Jeder, der sich mit den Kampfkünsten beschäftigt, wird in diesem Buch fündig werden. Es findet das ganze Spektrum der in Asien entstandenen Kampfkünste Berücksichtigung. Viel Nützliches, Unbekanntes oder Vertiefendes kann der interessierte Leser diesem Mammutwerk entnehmen.
In der universalen Betrachtungs- und Herangehensweise des Autors liegt das Manko des Buches. Obwohl Habersetzer mögliche Fehler und Lücken eingesteht, ist es dennoch ärgerlich, diese zu finden. Zwar wird dies jedem Leser nur in seinem eigenen Fachgebiet direkt auffallen, aber die Enttäuschung bleibt und lässt verdrießliche Rückschlüsse auf das Übrige zu.
Für das Wado-Karate – der Autor ist im 30. Jahr seines langes Karate-Weges – gibt es mehr als nur einen Fehler und Fehlstellen. Unerfreulich ist dabei, dass es sich nicht um Hintergrundwissen handelt, sondern beispielsweise auch um im Wado-Karate beheimatete Kata wie Jitte oder Betschurin. Durch kurze Blicke in das Prüfungsprogramm oder die vielgestreute Fachliteratur zum Karate, hätte unschwer eine Zuordnung zum Wado erfolgen müssen.
Die Zeit der Universalgenies ist seit Leibnitz vorbei. Das muss ebenso für die Kampfkünste gelten. Das Feld der asiatischen Budo-Traditionen ist weit, unübersichtlich und kompliziert.
Erklärende Illustrationen und die in die Erstellung des Buches hineingesteckte Liebe zeichnen das Werk als hilfreiches Nachschlagewerk aus, das durchaus einen Platz im Bücherschrank verdient. Es verdient, oft in die Hand genommen zu werden, denn es verleitet zum Schmökern und Blättern. Letztlich bleibt aber immer ein Quentchen Unsicherheit in der Frage nach der Verlässlichkeit der gelesenen Aussagen.
Der Weg ist das Ziel, so sagt man. Auch dieses Buch ist ein großer Schritt zur Vervollkommnung des Wissens. Mit Abstand und Kritik im Herzen, gehört es dennoch zu meiner zukünftigen Lektüre.
©️EK, 2020
Lexika-Einträge sind genau solche. Letztlich kurz und bündig und unvollständig. Es hat schon seinen Grund, wenn heutzutage die Online-Bereitstellung aller möglichen Themen vorherrschend wurde.
In meiner alten Bertelsmann – Bibliothek findet sich der kurze Eintrag zu Karate (rechtes Bild), in der Enzyklopädie sind es zu Karate und Karatedo natürlich fünf. Das ist natürlich informativer, aber immer noch unvollständig.

Schwieriger wird es, wenn Kampfkünstler über Verknüpfungen in der Geschichte diskutieren. Zudem schwören sie auf den Stil, den sie betreiben. (Dabei sind die meisten ohne Recherche zum Karate gekommen), irgendjemand hat gesagt: „Komm doch mal mit.“ So landen die Kinder eben bei Wadokai Dresden, oder woanders.
Ein schönes Stück Buch in meinem Regal, da geht es mir wie Eric.
©️ UR, 13.10.2026